Pädagogik

John Holts Leben

John Caldwell Holt wurden am 14. August 1923 in New York geboren. Er war das älteste von drei Kindern einer wohlsituierten Familie. Sein Vater war Versicherungsmakler. Holt wuchs teils in New York, teils im modernen Computerstädten in Connecticut auf. Die Grundschulzeit verbrachte er in Privatschulen in New York und der Schweiz. Ab der neunten Klasse besuchte er eine der besten Internatsschulen Neu Englands, die Phillips Exeter Academy, an der er als der Jüngste seiner Klasse graduierte, danach die Ingenieursschule der Universität Yale. Während seiner Schulzeit war er bleibt als Helfer seiner Klassenkameraden, da er so gut erklären konnte. Er selbst beschrieb sich zu dieser Z eit als einen Problemlöser. 1943 beendete er erfolgreich sein Studium der Physik und ging zum Militär. Bis 1946 war er auf einem U-Boot, der USS Barbero, stationiert. Holts Aufgabe war es, das U-Boot in Unterwasserbalance zu halten. Das U-Boot versenkte zwei feindliche Schiffe, bevor es selbst von einer Bombe getroffen wurde und heimkehren musste. Auf der Heimreise erfuhr Holt vom Abwurf der Atombombe auf Hiroshima. Er war überzeugt, dass die Selbstzerstörung der Welt in näherer Zukunft bevorstehe und wollte an der Verhinderung dessen mitarbeiten. Deswegen arbeitete er von 1946 bis 1952 bei der Bewegung der World Federalists (eine weltweite Bürgerbewegung mit dem Ziel einer gerechteren Weltordnung) mit. Er hatte verschiedene Positionen inne, am Ende war er Geschäftsführer. In seiner Zeit bei den World Federalists hielt er über 600 Vorträge, schrieb unzählige Leserbriefe und besuchte die zahlreichen lokalen Gruppen der Organisation.

1952 kündigte Holt seine Stelle, weil er die Arbeitsweise der World Federalists nicht mehr sinnvoll fand und sich selbst von der Art seiner Arbeit unterfordert fühlte. Er hatte keine genaue Vorstellung, was er nun tun sollte und unternahm zunächst vom Sommer 1952 bis Sommer 1953 eine Europareise. Er fuhr mit dem Schiff nach England, verbrachte sechs Wochen in London und fuhr anschließend mit dem Fahrrad durch Frankreich und Italien.

Als Holt im August 1953 zurückkehrte, besuchte er seine Schwester Jane und ihre Familie in Neu Mexiko. Er wusste nicht recht, was er jetzt anfangen sollte, und seine Schwester drängte ihn, Lehrer zu werden. Daran war er zunächst nicht interessiert, lies sich aber überreden, sich die Colorado Rocky Mountain School einmal anzusehen. Die Internatsschule war neu eröffnet und hatte nur 17 Schüler im ersten Jahr und 60 im vierten Jahr ihres Bestehens. Sie befand sich in Carbondale, in der Nähe von Aspen, Colorado. Holt stellte fest, dass diese Schule einige der Ideen, die er für die Verbesserung von Schulen hatte, bereits umsetzte. Er begann, dort ehrenamtlich zu arbeiten, trainierte die Fußballmannschaft, gab Nachhilfeunterricht und betreute das Schulfrühstück. Nach einiger Zeit bekam er eine Stelle als Lehrer und Wirtschaftsleiter der Schule und arbeitete dort vier Jahre.

Im Laufe dieser Zeit hatten sich seine Interessen verändert. Er wollte lieber mit jüngeren Schülern arbeiten und an einem Ort leben, an dem er Musikunterricht nehmen konnte. 1957 zog Holt nach Boston um, wo er günstig eine Wohnung von einem Freund übernehmen konnte. Er begann, dort Flötenunterricht zu nehmen und lebte von dem Geld, das er in seiner Militärzeit gespart hatte. Er begann ein Buch über seine Erfahrungen als Lehrer in Colorado zu schreiben. Da sich aber seine Vorstellungen über das Unterrichten änderten, beendete er das Buch nicht. Stattdessen begann er im Frühjahr 1958 eine Zusammenarbeit mit Bill Hull, dessen Unterricht in der fünften Klasse einer exklusiven Privatschule, der Shady Hill School in Cambridge, Massachussets, er nun oft zusah und seine Beobachten aufschrieb. Im Laufe des Jahres wurde daraus ein Teamteaching mit langen Gesprächen und Briefen nach dem Unterricht. Aus diesen Briefen entstand Holts erstes Buch How Children Fail. Im nächsten Jahr wurde Holt an der Schule als Lehrer angestellt, aber noch während des Schuljahres wegen seiner Einstellung, dass Prüfungen dem Lernprozess hinderlich seien, entlassen. Das Gleiche passierte an den zwei folgenden Privatschulen, an denen Holt unterrichtete, der Lesley Ellis School in Cambridge, Massachussets und der Commonwealth School in Boston.

1963 bezeichnet Holt sich als unabhängigen Wissenschaftler, der versucht herauszufinden, warum die Fähigkeit so vieler Kinder zum Begreifen und Lernen so rapide abnimmt, während sie älter werden und was wir tun können, um dies zu verhindern.

1964 erschien How Children Fail und Holt wurde zum begehrten Sprecher und Ratgeber, hielt Vorträge und besuchte Schulen. In dieser Zeit war er sehr viel unterwegs und knüpfte dabei zahlreiche Kontakte. Er wurde Teil der Romantic Critics, einer Gruppe von gleichgesinnten Schulreformern, mit denen er korrespondierte und zusammenarbeitete. 1965 traf Holt das erste Mal mit A. S. Neill zusammen, der ihn sehr beeindruckte.

1967 erschien Holts zweites Buch, How Children Learn. 1968 erhielt er einen Lehrauftrag als Gastprofessor in Harvard und unterrichtete einen Kurs mit dem Titel Student-directed Learning, den 100 – 200 Studenten besuchten. Holt gab in seinem Kurs keine Noten und keine vorgegebenen Hausaufgaben. 1968 erschien George Dennistons Buch The Lives of Children, das Holt tief bewegte und das er für die New York Review of Books rezensierte.

1969 erschien Holts drittes Buch The Underachieving School. In diesem Jahr war er Gastprofessor beim Department of Education in Berkeley. Er unterrichtet in der gleichen Art wie im Vorjahr in Harvard, der Kurs wurde diesmal unter dem Titel Advanced Composition angeboten. Holt besuchte mehrfach Ivan Illichs Center for Intercultural Documentation (CIDOC) in Cuernavaca, Mexiko. Ab 1971 begann Holt seine Reisetätigkeit stark zu reduzieren, um mehr Zeit für seine Musik und das Schreiben zu haben.

1970 erschien What Do I Do Monday?, 1972 Freedom and Beyond. Dieses Buch thematisierte Erziehung ohne Zwang und nahm Illichs Konzept der Entschulung der Gesellschaft auf. Damit begann Holt, sich aus dem Kreis der Schulreformer gedanklich hinauszubewegen. Holt sieht sich als Taktiker, der Wege aufzeigt, die von Illich, ihm selbst und anderen erkannten Mängel des Bildungssystems nicht nur zu benennen, sondern Alternativen dazu zu eröffnen.

 1974 erschien Escape from Childhood. Holt beginnt in dieser Zeit, ernsthaft seinen Plan zu verfolgen, Musiker zu werden. Er sieht es als das große Langzeitprojekt seines Lebens an, ein sehr guter Cellist zu werden. Dieses Projekt steht für ihn in engem Zusammenhang mit den in seinen Büchern dargestellten Ideen zum Prozess des Lernens. Seine neueren Bücher verkaufen sich nicht so gut wie die ersten. Er plant dennoch, in dieser Richtung weiterzuschreiben und beschäftigt sich mehr und mehr mit dem Lernen außerhalb der Schule. Sich selbst beschreibt er als einen Philosophen und Mann der Briefe, einen Lehrer und Musiker.

1976 erschien Instead of Education. Am Ende dieses Buches zeigt Holt Wege auf, wie Kinder der Schulpflicht entgehen können. Er hoffte, dadurch in Kontakt zu kommen mit Eltern, deren Kinder bereits außerhalb der Schule lernten. Von solchen Familien wollte er lernen, welche reellen Möglichkeiten Homeschooling bietet. Er begann mit vielen der ersten Homeschooler zu korrespondieren. Aus diesen Briefen und dem Wunsch der Eltern und Kinder nach Kontakt untereinander entstand 1977 Holts Zeitschrift Growing without Schooling, in der er von nun an seine Gedanken entwickelte. Gleichzeitig gründete Holt einen kleinen Versandhandel, John Holt´s Book and Music Store, in dem er seine eigenen Bücher, andere Bücher, die er wichtig fand und einige Lernmaterialien verkaufte. Schon vorher hatte er unter dem Label Pinch Penny Press Artikel, die er und andere geschrieben hatten, als Kopien oder Nachdrucke von seinem Büro aus vertrieben. Growing without Schooling beschäftigte ihn in den folgenden Jahren sehr, wurde aber immer mehr von der Musik in den Hintergrund gedrängt. 1978 erschien Never too late mit dem Untertitel Meine musikalische Lebensgeschichte. Am Ende dieses Buches schrieb er, er wolle sich jetzt nur noch seiner Musik und der wachsenden Homeschooling-Bewegung widmen.

Dennoch erscheint 1981 Teach your own, 1982 eine erweiterte Neuauflage von How Children Fail und 1983 von How Children Learn. Holt hat zu diesem Zeitpunkt noch Pläne, weitere Bücher zu schreiben: ein Buch über Kinder, die zuhause lernen, eine Zusammenstellung der Buchbesprechungen aus Growing without Schooling, ein weiteres Buch zur Schulreform, ein weiteres Buch über Musik, zwei Bücher über Ökonomie, eines für Erwachsene, eines für Kinder, ein Buch über Träume, ein Buch über Kinder und Arbeit und ein Buch über Kinder und Computer.

1982 erkrankte Holt an Krebs und versuchte ihn zunächst erfolglos mit alternativen Methoden zu behandeln. 1984 wurde er dann doch operiert, aber im Frühjahr 1985 brach der Krebs erneut aus. John Holt starb am 14. September 1985.

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